Wir geben Kindern in Nepal eine Zukunft

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Shreechaur, 21.10.15     8:30 Uhr

Namaste!           Wir grüßen ganz herzlich die Familie, Freunde und alle anderen ZuKi-Fans!

Seit 4 Wochen sind wir jetzt in Nepal, 3 davon in Shreechaur, und haben das Gefühl, diese Zeit ist in Windeseile verflogen. Uns geht es hier nach wie vor sehr gut: Unser "charmanter Darm" (in Anlehnung an den Bestseller "Darm mit Charme") gewöhnt sich allmählich an die tägliche Linsenration und wir sind noch nicht "tiefgefroren", sondern können meistens bis zum frühen Nachmittag herrlichen Sonnenschein genießen. Selbst das morgendliche Herauswühlen (ca. 6:00 Uhr) aus dem warmen Schlafsack zur "Katzenwäsche" ist zum Glück noch keine "Kneipp-Kur". Aber abends, insbesondere bei bedecktem Wetter, wird es schon empfindlich frisch, so dass sich alle nach dem Dinner und Aufklaren der Küche möglichst rasch in die warme Koje begeben (ca. 20:00 Uhr).

Von Schlafmangel kann hier also keine Rede sein, sofern einen die Flohstiche, die nachts oft ziemlich jucken, nicht um den Schlaf bringen. Denn ich mutiere hier momentan zur "Flohfalle" für alle anderen im PMC, die keinen einzigen Flohbiss haben! Das Vieh scheint die Variante "Europäerin" ausgesprochen attraktiv zu finden!

ADSCN8478 apropos Essen: Unsere Köchinnen versuchen wirklich, uns eine abwechslungsreiche Nepalesische Küche zu bieten. Die Abwechslung besteht aus Spicy Noodlesoup mit mehr oder weniger Gemüse und / oder Ei, Fried Noodles mit mehr oder weniger Gemüse und / oder Ei, Boiled Potatoes mit Hot Pickles, manchmal Milkrice, aber einmal täglich Dhaal Bhaat mit Kartoffelcurry, selten Fleisch, öfters Ei. Durch die Reihenfolge, wann Dhaal Bhaat und die anderen beiden Gerichte am Tag gereicht werden sowie deren Temperatur, ergeben sich weitere Variationen des Speiseplans. Aber man gewöhnt sich ja an vieles. Uns ist es allerdings gelungen eine neue Variante des Frühstücks einzuführen, die auch bei unseren "Medizinfrauen" sehr willkommen ist: "Buffet-Breakfast" bestehend aus in Senföl ausgebackenen Papads und Krupuk, einem riesigen Obstteller, der nur möglich war, weil jemand in Okhaldhunga Behördengänge zu erledigen hatte, sowie diversen Nüssen. Sofern Obst vorhanden ist, machen wir dies jetzt öfters.

Zur Zeit vorhandene Gemüsesorten sind: Gurke, Kartoffeln (ganzjährig), Saag (nepalesischer Spinat - die Saison beginnt gerade), Squash, Kürbis (selten), diverse Tomatensorten (eine Rarität), getrocknete Bohnen (oft), Zwiebeln und extra scharfe Chilis (immer). Frisches Gemüse gibt es hier nur, wenn man es für den Eigenbedarf anbaut. Selbst auf dem kleinen Wochenmarkt jeden Dienstag in Shreechaur ist die Fülle an Gemüse und Obst extrem überschaubar. Alle anderen Gemüsesorten und die meisten Obstsorten müssten donnerstags auf dem Wochenmarkt in Rampur (3 Stunden Fußmarsch runter, 4 - 5 Stunden wieder retour) oder am Mittwoch / Samstag in Okhaldhunga, was einen dreitägigen Ausflug zur Folge hat, gekauft werden. Neulich kam schon der Traum von einem knackigen Salat auf! Aber dessen Erfüllung muss noch warten.

Gestern (Dienstag, 21.10.15) begannen die 5 Feiertage des wichtigsten religiösen Festes der Nepalesen, Dashain. Sehr vereinfacht erklärt geht es darum, dass Kali, die wütende Göttin und Frau des Gottes Shiva, einen bösen Dämon besiegt hat. Dies wird mit der Opferung von Büffeln, Ziegen, Schweinen und Hühnern gefeiert, deren Fleisch im Kreise der Familien das "Null-Acht-Fünfzehn"-Dhaal Bhaat in ein kulinarisches Highlight höchster Güte und Exklusivität verwandelt. Allerdings beschloss martin beim Anblick eines in lauter Kleinteile zerlegten Opfertieres, ein kapitaler Büffel, umgehend Vegetarier zu werden. Da stoßen dann doch die Welten von Europäern mit Massentierhaltung sowie industrieller Schlachtung und die natürliche Fleischversorgung der Nepalesen aufeinander.

Trotz des Feiertages wurde wie jeden Dienstag der kleine Wochenmarkt abgehalten. Als zusätzliches Event zeigten diverse Tanz-und Theatergruppen ihr Können auf dem Dorfplatz, darunter auch eine 6-köpfige Tanzgruppe aus Schülern von Peshala's Boarding School (CDS). Wir waren baff!

Wegen der Feiertage ist es hier oben im PMC in schulischer Hinsicht sehr ruhig, denn seit einer Woche sind Ferien, die bis Mitte November dauern werden. Da die Boarding School trotz der Erdbeben den Unterricht aufrecht erhalten konnte, kommen deren Schüler in den Genuss dieser langen Pause. Im Unterschied dazu müssen alle Government Schools die eigentlich 4-wöchige Ferienzeit deutlich verkürzen, da sie während der Naturkatastrophe im Frühjahr mit erheblicher Verspätung den Unterricht wieder aufgenommen haben. Kein Wunder, wenn man den Zustand der Government School in Shreechaur sieht.

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Dagegen ist in der Gesundheitsstation jetzt "der Teufel los". Über 20 große und kleine Patienten erscheinen momentan jeden Tag. Die Erkältungszeit hat eingesetzt, viele Eltern mit fiebernden und hustenden Kindern suchen das PMC auf; dann gibt es immer mal wieder Fälle mit Typhus, die die "Medizinfrauen" mit ihren fabelhaften Kenntnissen über Nacht wieder auf die Beine bringen. Aber auch die komplizierte Entbindung einer 35-Jährigen, die bei der Geburt ihres zehnten Kindes, ein kleiner Junge, keinen Laut von sich gab, wurde erfolgreich gemeistert, wobei sich der 10-fache Vater von Peshala eine anständige "Kopfwäsche" in Sachen Geburtenkontrolle und "Vasektomie" gefallen lassen musste. Der Government Healthpost verweigert der Frau die Dreimonatsspritze.

Sonntagabend wurde es besonders heikel: Wegen der massiven Attacken durch die Schwiegereltern hatte eine junge Frau, deren Mann im Ausland für das finanzielle Auskommen der Familie sorgt, versucht, sich zu vergiften. Zum Glück hat der wegen Heimaturlaubes anwesende Mann seine Frau umgehend ins PMC gebracht, so dass die drei "Medizinfrauen" hier durch Verabreichung von literweise Salzwasser einen guten Ausgang der anfänglich sehr kritischen Situation bewirken konnten. Wegen fehlender Gummischürzen mussten sich Peshala, Lila und Somba danach komplett umziehen, was mich veranlasste, am darauffolgenden Tag aus einer sehr einfachen Gummiunterlage 2 Schürzen für die "Mädels" zu "zaubern". Das Ehepaar hat übrigens noch im PMC im Beisein von Polizisten beschlossen, aus dem Haus der Schwiegereltern auszuziehen.

Nach den Feiertagen werden wir die begonnene Renovierung der PMC-Räume fortsetzen. Der bereits renovierte Behandlungsraum sieht jetzt trotz mangelhafter Malerutensilien, fehlender Spachtelmasse und höchst gewöhnungsbedürftiger Qualität der Farben für nepalesische Verhältnisse fantastisch aus. Wir staunen jedes Mal mit wie wenig Hilfsmitteln, aber einer gründlichen Portion Improvisationstalent (Tipp: große Plastiksäcke eignen sich durchaus als "Malerkluft") ebenfalls passable Ergebnisse erzielt werden können.

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Mit sonnigen Grüßen aus dem renovierten Behandlungszimmer im Himalaya.

Ciao

Susanne + martin

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